Mein erstes Blockhaus
- (mg)
- Kategorie: Ym-2026-02
„Mein erstes Blockhaus – und was ich dabei gelernt habe“
Mein Geburtstagsgeschenk zum 60. – und eine Woche, die alles verändert hat
Zu meinem 60. Geburtstag bekam ich ein Geschenk, das ich so schnell nicht vergessen werde: einen einwöchigen Blockhausbau‑Workshop. Was zunächst wie ein Abenteuer klang, entpuppte sich als eine der intensivsten, lehrreichsten und erfüllendsten Erfahrungen der letzten Jahre. Fünf Tage echte Handarbeit, neue Menschen, viel Schweiß – und ein völlig neuer Blick auf Nachhaltigkeit und traditionelles Bauen.
Viele, die meinen Kurs verfolgt haben, fragten mich: „Ein Blockhaus? Alleine? So wie in Kanada?“ Anfangs antwortete ich noch: „Ja, genau – so ein kanadisches Blockhaus.“ Doch schon während des Workshops lernte ich, wie falsch diese Annahme eigentlich ist.
Wo Blockhäuser wirklich herkommen
Die Ursprünge des Blockhausbaus liegen nicht in Kanada oder Amerika – ganz im Gegenteil. Was ich niemals gedacht hätte: Die ersten Blockbauten entstanden bereits 2550 bis 2880 v. Chr., also im Endneolithikum, mitten in Mitteleuropa.
Nachgewiesen wurden diese frühen Blockbauten am Federsee in Baden‑Württemberg, nahe der Kurstadt Bad Buchau. Dort fand man die ältesten bekannten Konstruktionen aus horizontal geschichteten Stämmen – erstaunlich präzise gearbeitet für diese Zeit.
Blockhäuser haben also eine über 4500 Jahre alte Tradition. Sie entstanden in waldreichen Regionen Europas und Asiens, wo Baumstämme das naheliegendste Baumaterial waren. Von dort entwickelte sich die Technik über Skandinavien und Russland weiter und gelangte schließlich nach Nordamerika, wo sie zum Symbol der Pionierzeit wurde.
Warum wir trotzdem alle an Kanada denken
Auch wenn Blockhäuser nicht aus Kanada stammen, verbinden wir sie intuitiv damit – ähnlich wie wir Pizza automatisch mit Italien verbinden, obwohl flache Brote viel älter sind.
Die Gründe dafür sind klar:
- Unendliche Wälder – perfektes Baumaterial direkt vor der Haustür
- Die Pionierzeit – Blockhäuser als Symbol für Freiheit, Wildnis und Selbstversorgung
- Die Optik – massive Rundstämme, die wir heute als „kanadisch“ wahrnehmen, sind eigentlich eine Weiterentwicklung skandinavischer Techniken
Kanada hat den Blockhausbau nicht erfunden – aber perfektioniert.
Wie man ein Blockhaus baut – meine Erfahrung
Der Bau beginnt viel früher, als man denkt: im Wald. Je nach Hausgröße sucht man die passenden Bäume aus und fällt sie. Danach braucht es ein solides Fundament und einen Grundrahmen aus längs halbierten Stämmen.
Dann beginnt die echte Arbeit – und die hat es in sich.
„Hier kommt man das erste Mal schon ganz schön ins Schwitzen.“
Werkzeug – erstaunlich wenig
Was mich selbst überrascht hat: Man braucht wirklich nicht viel.
- Motorsäge
- Motorfräse
- Flex
- Spezialzirkel
- Maßband, Bleistift, Filzstift
- Richtschnur
- Hammer
- Zieheisen & Stemmeisen
- Schutzkleidung
- Hebehilfe für die Stämme
- Cuttermesser
Mehr nicht. Und trotzdem entsteht daraus ein Haus.
Der wichtigste Schritt: die Passform
Die entrindeten Stämme werden auf Arbeitshöhe gelegt und mit dem Zirkel exakt angezeichnet. Dieser Schritt ist entscheidend – und der schwierigste. Vor dem Sägen muss bei der Rundung mit einem Cuttermesser die Linie eingeritzt werden damit es keine Ausreißen am Rand gibt. Danach wird ausgesägt, ausgefräst und sauber verschliffen. Wichtig ist der sogenannte „Satz“, eine ca. 2 cm tiefe Ausnehmung, damit sich die Stämme später perfekt setzen können.
Dann wird Stamm für Stamm aufeinandergelegt – immer dicke Seite auf schmale Seite, damit das Haus gerade nach oben wächst. Dabei werden die Stämme links und rechts auf beiden Seiten mit einem Art Klinkereisen gehalten. So wird sicher gestellt das die Linien auch passen.
Klingt kompliziert, ist aber erstaunlich logisch, wenn man es einmal gemacht hat.
Was ich aus dieser Woche mitgenommen habe
- Blockhausbau ist uralt – und gleichzeitig hochmodern.
- Es ist nachhaltiger, als viele moderne Bauweisen.
- Es verbindet Handwerk, Natur und Präzision.
- Und: Man kann es tatsächlich selbst lernen.
Für mich war es mehr als ein Workshop. Es war ein Erlebnis, das mich geerdet hat – und mir gezeigt hat, wie viel Freude echte Handarbeit machen kann. (mg)














































