„Wenn der Drache steigen will, muss er es gegen den Wind tun!“, heißt es in einem chinesischen Sprichwort. Im Buch der Wandlungen stellt sich uns der Drache in Form des Donners, als ein aufstrebender Schüler dar; Das alte Holz, die Wurzel, nimmt im IGING die Form des Windes ein und verkörpert damit den Meister, der seinem Schüler unterstützend entgegen tritt. Beide zusammen tanzen im steten Wechsel ihres Seins, bis der Schüler zum Wind und der Lehrer, im Wandel von Licht und Schatten zum Drachen wird. Bei Betreten der nächsten Bewusstseinsebene haben Beide gelernt miteinander mit Leichtigkeit und Freude im Dao zu tanzen. Wer wie ein Drache im Wind tanzen möchte, muss seine erlernten Tanzschritte vergessen und lernen, wie man mit dem Dao in Kontakt tritt. Das IGING kann hier helfen!
Wenn feuerrote Mohnblumen im Wind tanzen, möchte manch Einer am Liebsten einen Strauß davon pflücken und mit nach Hause nehmen. Wer es jedoch versucht, wird enttäuscht werden, denn noch vor seinem Ankommen, werden die Blüten erbärmlich aussehen oder bereits abgefallen sein. Mohnblumen, muss man dort genießen, wo sie anzutreffen sind! Mit dem chinesischen Begriff DAO, respektive dem „Do“, das den meisten traditionellen Kampfkunstarten im Namen anhängt, verhält es sich ähnlich. Man lernt in diesen Künsten wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens jede Menge Dinge, die für eine angestrebte Meisterschaft Voraussetzung sind. Jeder Führerscheinanwärter kann wohl ein Lied davon singen; Bei der ersten Fahrstunde, sollte man in den Rückspiegel blicken, die Handbremse lösen, die Zündung betätigen, die Kupplung treten, ein wenig Gas geben, die Kupplung wieder lösen, den Verkehr beachten und so weiter, bis dann durch einen Rumpler das Fahrzeug nach vorne springt und das Absterben des Motors signalisiert wurde. Peinlich berührt wandert dann der Blick zum Fahrlehrer und wenn es nicht bereits die 25 Fahrstunde war, wird dieser milde blicken und uns ermutigen es weiter zu versuchen. Mit der Führerscheinprüfung haben wir dann ebenso wie bei jeder anderen Abschlußprüfung bewiesen, dass wir die Grundkenntnisse erlernt haben, um unsere neuen Fähigkeiten im täglichen Leben einsetzen zu können. Nach ein paar Jahren Praxis, denkt kein Führer eines Kraftfahrzeuges mehr darüber nach, was wann zu tun ist. Er setzt sich in sein Auto und fährt! Im besten Fall kann er sich am Ende einer Fahrt noch an ein paar auffällige Ereignisse im Straßenverkehr erinnern. Doch wenn es sich bei unserem Fahrer nicht gerade um einen Fahrlehrer handelt, der seinen Schüler durch die ersten Fahrstunden begleitet, wird er seine Aufmerksamkeit eher dem Gesprächspartner oder dem Radio widmen, als dem eigentlichen Fahrvorgang. Wer als Kampfkunstanfänger beginnt wird ähnliche Erfahrungen machen. Zuerst lernt man ein paar grundsätzliche Verhaltensregeln, es folgen Sicherheitshinweise und dann beginnt das Studium der Grundtechniken mit Tausenden von Wiederholungen. Nach drei bis sechs Jahren können dann Viele auch in dieser Kunst ihre Abschlußprüfung zum ersten Dan, den 1. Lehrergrad machen. Den Schwarzgurt zu erreichen und sein erstes großen Etappenziel geschafft zu haben, bedeutet nun die Grundkenntnisse zu besitzen, um sein erworbenes und durch die Dan-Prüfung bestätigtes Wissen an eigene Schüler weitergeben zu können. Theoretisch stimmt das so; Praktisch stellt man als neuer Schwarzgurtträger fest, dass man zwar nun das Handwerkszeug besitzt, um etwas Meisterliches zu schaffen, jedoch die eigentliche Aufgabe noch weit entfernt liegt. Dennoch kann man nun am Himmel die Drachen im Wind tanzen sehen, die zuvor aus einer niedrigeren Perspektive nur verschwommen und unklar wahrgenommen werden konnten. „Wenn der Drache steigen will, muss er es gegen den Wind tun!“, sind chinesische Weisheiten, die wir erst richtig verstehen lernen, wenn wir die Rolle des Drachen oder die, des Windes schlüpfen. Die Techniken haben wir gelernt, doch mit Leichtigkeit wie ein Drache im Winde zu tanzen, das ist doch noch eine ganz andere Dimension. Man beginnt nun Erlerntes zu hinterfragen und begibt sich auf einen eigenen, von niemand zuvor begangenen Weg. Natürlich kann man weiterhin alleine tanzen und weitere Tanzschritte bis zur nächsten Prüfung erlernen. Doch ich bin sicher, die meisten erfahrenen Lehrer und Meister werden mir Recht geben, wenn ich behaupte, dass man vor Allem dann am Meisten lernt, wenn man sein Wissen loslässt und es mit Anderen teilt. Man lernt selbst dabei alles noch einmal von vorne, nur aus einer völlig neuen Perspektive. Es ist die Perspektive des Windes, die dem Drachen entgegen bläst, damit dieser uns nachfolgen kann. Wer wie ich Jahrzehnte damit verbracht hatte Neues zu lernen, um es umgehend wieder an die eigenen Schüler weiterzugeben, kommt sicherlich irgendwann an einen Punkt, da man beide Seiten einer Medaille einigermaßen gut kennt und den Wert seiner Münze als Ganzes zu hinterfragen beginnt. Vielleicht ist dies der richtige Zeitpunkt, um sich neu zu orientieren, ein neues Thema seiner ausgeübten Kunst aufzugreifen, das man bisher noch nicht so genau beleuchtet hatte. Das Leben ist sehr vielschichtig und interessant. Je mehr Schichten wir aufdecken, umso mehr Einblicke können wir gewinnen. Alles was wir auf diese Weise an weiteren Erfahrungen sammeln wird unser Wissen erweitern und uns reifen lassen. Durch das jahrelange Schleifen und feilen an der Technik wird diese erst uns zu Eigen. Doch wie viel Technik oder Wissen benötigen wir eigentlich um zu einem wahren Meister in unserer Kunst zu werden?
Das DAO und sein Charakter
Stellen Sie sich vor, Sie hätten das Können und das Wissen aller Professoren unserer Zeit in einer Person! Dann wären Sie eine wandelnde, intelligente Wissensdatenbank mit der Schläue von Albert Einstein und Garry Kasparow und dem Genius des Universaltalentes von Leonardo da Vinci. Doch im Vergleich zum allumfassenden DAO wären Sie dennoch wie ein einziger kleiner Tropfen im großen Ozean. Denn die selbstverständlichen Dinge unserer Natur, die uns umgeben, blieben trotz unseres enormen Wissens noch immer im Dunkeln. All unser Wissen, dass wir Menschen uns aneignen können, beruht auf den Erfahrungen unserer Vergangenheit, ob dieses durch unsere Vorfahren an uns weiter gegeben wurde oder ob wir es wissenschaftlich penibel durch eine Vielzahl von Versuchsketten herausfanden; Wir beziehen unsere Erkenntnisse ausschließlich durch das Beobachten der Natur und deren Erscheinungen; Wir sind jedoch nicht in der Lage die Natur selbst zu erschaffen! Auch wenn wir in der Lage sind die DNA des Menschen zu beeinflussen und zu verändern, sind wir keinesfalls im Stande die DNA eines Grashalms oder eines Insekts selbst zu erzeugen. Wir haben keine Ahnung woher eine Pflanze die Fähigkeit besitzt zu wissen, wie ihre Frucht schmecken muss, dass Vögel oder andere Tiere und Insekten sie fressen, sie später andernorts auszuscheiden, so dass dort neue Pflanzen entstehen können. Diese Art der natürlichen Intelligenz können wir Menschen weder gemeinsam noch allein erreichen. Diese Intelligenz ist eine allumfassende, die alles auf dieser Welt im Zusammenhang kennt und in der Lage ist diese miteinander im Hier und Jetzt zu vernetzen. Damit jedoch diese Vernetzung funktioniert, geben sich die Pflanzen ihrer Aufgabe hin und bilden gemäß ihrer Bestimmung im Dao Samen und Früchte aus, die von anderen Wesen dieser Welt verzehrt werden können.
Der Mensch und sein Charakter
Der Mensch, die Krone der Schöpfung, wie er sich selbst gerne sieht, rühmt sich Bewusstsein entwickelt zu haben und durch intelligentes Wirken nachhaltig seine eigene Welt beherrschen zu können. Leider oft rücksichtslos nimmt er tatsächlich großen Einfluss auf diese unsere gemeinsame Welt, ohne jedoch auch nur annähernd in der Lage zu sein, bereits die kleinste Krise in den Griff zu bekommen. Im Gegensatz zum DAO, das einzig und allein im Hier und Jetzt existiert, versucht der Geist des Menschen mit Vergangenheitsverarbeitung sein Leben zu begreifen. Bei jedem Versuch durch Nachdenken die Welt zu verstehen oder zu verändern, bewegt er sich zwangsläufig immer außerhalb der tatsächlich existierenden lebendigen Welt des DAO. Man kann durch Gedanken weder das Gestern, ja noch nicht einmal das vorhin verändern. Während wir denken ist selbst das Jetzt, das wir erleben bereits Vergangenheit. Unsere Gedanken hinken immer dem Jetzt hinterher, so dass es uns unmöglich ist, durch Gedanken, die lediglich das Konstrukt unseres selbst erschaffenen Egos sind, mit dem DAO eine konstante Verbindung einzugehen. Wenn wir also am wahren Leben im Dao teilhaben wollen, müssen wir unsere Gedanken, Gefühle und auch den Glauben an unser Ego loslassen.
Das I Ging und das DAO
Bei der Münz- oder Schafgarbenmeditation, habe ich bereits im HAPKIDO-magazin Ausgabe 2020-02 Titel: "Befragung des IGING", ausführlich beschrieben, wie man den direkten Zugang zur Weisheit und Intelligenz des DAO erhalten kann. Du stellst Deine Frage und übergibst diese vertrauensvoll dem DAO. Während der Meditation beschäftigst Du Deine Gedanken mit dem Auszählen von Schafgarbenstängeln. Mit diesem kleinen Trick täuschst Du Dein Ego, respektive lenkst es ab und verbindest stattdessen Dein wahres Selbst direkt mit der universalen Intelligenz des Dao. Die Antwort des IGING ist stets beeindruckend und trifft wie ein Pfeil ins Schwarze; Jedes Mal!
Du wirst merken, je öfter Du mit dem Dao auf diese Weise kommunizierst, umso leichter wird es Dir fallen in den „Flow“ mit dem DAO zu gelangen. Mir genügt es inzwischen bereits vollkommen, wenn mein Blick im Garten auf einfache, schlichte Gräser im Wind trifft; Mein unruhiger Drachengeist gewinnt dann schnell wieder an Höhe und verbindet sich mit dem ewigen DAO, dem wahren Meister unserer Welt.
(uw)













































