Das jahrtausende alte IGING (YIJING) und das gerade mal ein halbes Jahrhundert alte NLP (Neurolinguistisches Programmieren) sind gleichermaßen nützliche Werkzeuge, die durch Beobachtungen von Menschen in deren Welt entstanden sind. Grundsätzlich ging es stets darum dem Menschen zu helfen, seine Welt in der er lebt besser verstehen zu können, um geeignete Wege für ein erfülltes Leben im Hier und zu finden. Doch sowohl die Autoren das IGING wie auch die NLP-Eperten raten dringend davor ab, diese Werkzeuge mit unaufrichtigen Absichten für sich nutzbar machen zu wollen. Beide Systeme prohezeihen bei Mißbrauch ein Scheitern solch einer Vorgehensweise. Mein persönlcher NLP-Practitioner und NLP-Master Lehrtrainer Dirk Tischer aus der Zugspitzakademie bei München ermunterte seine Teilnehmer stets die Toolbox des NLP sensibel und mit viel Gefühl zum Nutzen der Menschen einzusetzen, wobei er betonte nichts „um zu“, zu tun. „Tue nichts für Anerkennung, nichts für Liebe und nichts für Geld, denn das sind die falschen Motivationen. Wenn Du etwas unternimmst, dann mit reinem Herzen aus einer integren Einstellung heraus zur eigenen mentalen Verbesserung oder als Hilfe für Andere.
„Die Absichtslosigkeit / Unschuld“
Unter dem geflügelten Wort „Sisyphos Arbeit“, versteht man sinnloses, anstrengendes Schaffen ohne absehbares Ende. Nach dem griechischen Mythos verhielt sich Sisyphos einst alles andere als integer und absichtslos und so wurde ihm eine Götterstrafe auferlegt. Er stand fortan unter dem Zwang einen Fels auf die Spitze eines Berges wälzen zu müssen. Dort fast angekommen, sollte ihm dieser jedoch entgleiten und zurück ins Tal rollen. Wollen wir nicht wie Sisyphos enden, sollten wir uns mit Wu Wang vertraut machen.
IGING - Buch der Wandlungen
#25 Wu Wang 無妄
„Die Absichtslosigkeit / Unschuld“
Wu Wang zu erklären, kommt dem Suchen nach einer Brille gleich, die man auf der Nase trägt. Man kann alles sehen, nur eben die gesuchte Brille nicht. Noch schlimmer wird es, wenn die Brille zwar hinter den Ohren klemmt, sie jedoch nach oben über die Stirn geschoben wurde. Im blinden Wahn wird man im letzteren Fall verzweifelt alle Orte aufsuchen, von denen man annimmt, seine Brille zuletzt abgelegt zu haben. Je verkrampfter man nun nach der Brille sucht und blindlings umherirrt, umso eher wird man stolpern und Schaden nehmen. Dieses anstrengende, absichtsgetriebene jeodch absurde Handeln, kommt wohl dem Komplementär, also dem Gegenstück von Wu Wang am ehesten gleich. Betrachten wir den chinesischen Begriff selbst, so bedeutet der Hexagrammname 無妄 (Wù Wàng), die Verneinung des Wortes „妄“ Wàng, das man mit absurd oder phantastisch übersetzen könnte. Wenn wir uns dem Verständnis für Wu Wang annähern wollen, müssen wir uns freimachen von jeglichen Ideen zum Verbleib unserer Brille. Mir gefällt dieses Beispiel mit der Brille sehr gut, da es uns im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führt, wie weit wir in unserem Handeln vom Ziel entfernt sein können, wenn doch die Lösung direkt vor oder über unseren Augen liegt. Wie aber findet man eine Brille, die man bereits am Kopf trägt? Will man Wu Wang beherzigen, sollte man alle Gedanken in Zusammenhang mit der vermissten Brille loslassen und von jeglicher Absicht zu Handeln Abstand nehmen. Eine bescheidene Verneigung vor dem Großen und Ganzen und die Aktivierung all unserer Sinne wäre nun angemessen und hätte zur Folge, dass wir uns dem Gewicht der Brille gewahr würden und diese durch den neuen Blickwinkel wie von selbst auf ihren Platz auf der Nase zurückkehren könnte. Liebe scharfsichtige Kollegen, meinen Glückwunsch an Dich, wenn Du keine Brille benötigst, aber vielleicht frägst Du Dich jetzt wo nur der Stift geblieben ist, um Dir nachfolgend etwas auf einen Zettel notieren zu können? Ziehe Dich doch mal an den eigenen Ohren und lasse Dich überraschen! In einem Zen Koan heißt es:
Wenn Dir eine Idee einfällt und sie beinhaltet
auch eine Absicht, dann lasse es!
Die Lösung für unser Brillen- oder Stiftproblem lautet: Sei absichtslos! Lasse dazu all Deine Gedanken los und sehe von Deiner Absicht die Brille oder den Stift zu finden ab! Falls Du vor einen Spiegel treten willst, wirst Du selbst bei schlechter Sicht nicht nur Deine vermisste Brille oder den Stift finden, sondern auch gleich den Übeltäter, der diese vermissten Dinge nicht mehr wahrnahm. Es ist Dein Ego, das Dich zu absurdem Handeln antreibt, ohne auf Seele und Sinne Rücksicht zu nehmen. In der griechischen Mythologie hatte Sisyphos einst auf egoistische Art und Weise seine Zeitgenossen mit verschlagenen Methoden zu übervorteilen versucht. Der Überlebenswille seines Egos war sogar so stark, dass es ihm gelang, den Totengott zu überlisten. Am Ende jedoch erhielt er die ihm gebührende Strafe und musste, ohne Aussicht auf ein Ankommen, den schweren Felsen immer wieder den Berg hinauf rollen. Für meditierende Zen- und Kampfkunstmeister bedeutet Wu Wang ein Loslassen von phantastischen Gedanken und dem absurden Ich, das stets versucht unseren Geist und unsere Seele in Geiselhaft zu nehmen und uns somit vom großen Ganzen abtrennt. Kampfkünstler erlernen während ihrer Ausbildung unzählige Techniken; Doch die erstrebenswerteste, höchste Technik in der Kampfkunst ist es: keine Technik, kein Ego und damit auch keine Gegner zu haben! (uw)
NLP: “Der Raum der Absichtslosigkeit”
Übung: Lass dich ein auf einen Raum jenseits von Zielen, jenseits von Erwartungen.
Es gibt nichts zu tun, nichts zu erreichen.
Nur einen Raum zu betreten, in dem alles so sein darf, wie es ist.
1. Erdung & Wahrnehmung
2. Die Frage ohne Antwort
3. Die innere Landschaft
4. Der Moment des Vertrauens
5. Rückkehr & Reflexion
Dieses Format ist kein Werkzeug zur Lösung. Es ist ein Raum für das, was sich zeigen will, ohne gerufen zu werden.
Nicht-Handeln ist nicht Untätigkeit, sondern Raum für das Wesentliche! (uw)
Erhabenes Gelingen. Fördernd ist Beharrlichkeit. Wenn jemand nicht Recht ist, so hat er Unglück und nicht fördernd ist es etwas zu unternehmen. (RW)
IGING: „Die Absichtslosigkeit“
Auf einer Walze betrachtet, ergeben sich die nachfolgenden Hexagramme für Wu Wang, die von unten nach oben und von innen nach außen nachfolgende Bilder näher erklären (siehe Abb. 3):
#54 Das heiratende Mädchen (See - Donner)
#27 Die Ernährung (Donner - Berg)
#53 Die Entwicklung (Berg - Wind)
#44 Das Entgegenkommende (Wind - Himmel)
#1 Das Schöpferische (Himmel - Himmel)
#53 Der Durchbruch (Himmel - See)
Ordnet sich der Geist dem handelnden Ego unter #54, wird die Sorge dem Überleben gelten #27. Nach einer mühsamen Phase #53, verlieren wir am Ende den Halt und all unser Tun war vergebens #44. Verbinden wir uns jedoch mit dem großen Ganzen und lassen unseren Geist ziehen #1, reicht ein einziger entlarvender Blick in den Spiegel, der unserem Ego Einhalt gebieten kann und uns von unseren Absichten loslassen lässt.
Der Graph von Wu Wang (Abb. 2) zeigt das Wirken der fünf Wandlungsphasen im linksdrehenden, energieentziehenden Schwächungszyklus. Hat der Mensch nun den Zwang wie Sisyphos einen Stein auf den Berg hinauf rollen zu müssen, wird er ihm oben wieder entgleiten und ihn schwächen.
Das Kernzeichen von Wu Wang (Abb 4) zeigt das IGING Bild #53 Dsièn; Die Entwicklung /Allmählicher Fortschritt und weist uns auf eine längere Phase hin, die uns nur absichtslos, innerhalb der Notwendigkeiten, handeln lässt.